Ich will mein Geld zurück!

Irrealer Dialog nach einem BGH Urteil 2016  (von honigdorn)

Ich möchte mein Geld zurück! Seit 2002 zweistelliger Millionenbetrag jährlich, also sagen wir mal, Sie überlassen mir Ihren Verlag gleich ganz, ich habe ihn ja eigentlich schon mit 200% Ihres Jahresumsatzes jährlich gekauft.

Aber, aber, mein Lieber, UNSER Geld, wir sind doch unzertrennlich: Sie arbeiten – und ich verdiene.

Aber Sie zahlten mir doch nie ein Vorschuss-Honorar, erst ab dem 5.000 Stück so 5%. Ehrlich, ich kann davon nicht mehr leben, konnte es noch nie – auch meine Freunde in USA, England oder Frankreich nicht.

Ach, ohne mich existierten Sie doch gar nicht.

Aber locker! Ich kann alles mittlerweile kostenlos allein tun – mir ist eigentlich gar nicht ganz klar, wieso ich nicht schon vor Jahren von Ihnen wegging.

Sie haben sich mir für Lebenszeit versprochen, erinnern Sie sich nicht mehr? Das war doch der von Ihrem Verband ausgehandelte Normvertrag

Häh??? Mein Verband? Wir sind einige Hunderttausend und ein Verband von 1.800 bis 4.000 kann doch gar nicht für uns alle sprechen und uns lebenslang an Sie verkaufen – erzählen Sie mir doch nichts

Seit dem 19. Jahrhundert gehören wir doch zusammen – nun beruhigen Sie sich doch mal

Ach – im 19.Jahrhundert gab’s schon Fotokopierer?

Sie brauchen ja sogar fürs Sprechen ein Lektorat von uns – geschweige denn beim Schreiben. Wir sind ja die eigentlichen Urheber, das wissen Sie doch ganz genau. Wir mussten Sie doch so lange aufbauen, bis Sie aufgeben. Sie setzen doch nur die 24 Buchstaben immer anders.

Ach ne – und ich bin der, der den Verlag bezahlt? Sie verdienen an mir?

Nein, Gutester, Sie sind der Klinkenputzer und Wir haben ein Auge zugedrückt und Ihnen die Tür einen Spalt aufgemacht, damit Sie Ihr Manuskript durchreichen konnten, die Türen geöffnet, verstehen Sie

Ach – und wohin?

Na in die Remittenten, Sie Ignorant. Sie bezahlen und erarbeiten sich eine Chance – und wir fördern damit die zehn Besten, das ist zwar unleistbar teuer, aber wir kriegen das hin, weil wir Ihnen ja in Masse eine Chance geben, Sie aufbauen, jahrelang – noch über die Remittenten hinaus. Unsere Partnerschaft funktioniert doch hervorragend und schon so lange und Sie haben immer noch Ihre Chance…

Nein, Mister Lieutenant, ich habe nun eine Chance durch die Gerichte auf mein eigenes Geld, um davon mal zu leben – die Bücher kann ich selbst und kostenlos machen

Hahaha – d e r war gut! Sie können doch nicht mal lesen oder schreiben! Verdammt, was wir uns von Ihnen bezahlen lassen mussten, um daraus überhaupt einen TEXT zu machen – aber Sie haben doch einige Arbeitsplätze in unseren Häusern gesichert, ja, das muss man Ihnen zugutehalten, und für die vielen Arbeitsplätze müssen wir natürlich auch große Häuser unterhalten – ach diese ganzen Kosten – Sie sollten sich wirklich solidarischer verhalten

Ich glaube, da irren Sie sich – seit ich meine Remittenten selbst neu als kostenloses Buch herausbringe – ja da habe ich eine Fangemeinde, die mich in großen Zahlen kauft und liest und rezensiert

Ja aber dafür sind Sie kulturell: Nichts!

Und Sie nur: Etwas mit meinem Geld?

Das ist so gewachsen, wie gesagt, seit dem 19. Jahrhundert … solidarisch! Immer so gewesen!

Da haben Sie ja unser Recht aufs hohe Ross gesetzt und es für uns vollkommen ausgehöhlt, aber für sich arbeiten lassen und jeden kleinen Verletzer ausgesaugt in meinem Namen, auf Ihre Gewinne – nicht mal vor Kindergartenkindern sind Sie zurückgeschreckt …

Unsre Gewinne sind Ihre Gewinne!

Das wäre mir neu. Bei 1,90 Stundenlohn. Ich kann kaum zur Buchmesse fahren, mir weder Zug noch Hotel leisten, und Sie unterhalten da Stände und Teams und Hochglanzbroschüren. Und seit 2002 ist ganz klar, dass Sie die Hälfte meiner Einnahmen klauen, die das Gesetz mir zuspricht – dank Ihrer bissigen Verteidigung meines für mich ausgehöhlten Rechts

Wir sind doch nur für Sie dort!

Ja, aber ich bin gar nicht dort!

Sie haben eben Ihre Chance nicht genutzt

Sie wissen seit 14 Jahren, dass Sie mein Geld nicht behalten dürfen … und seit das nun im April im Rechtsstaat festgestellt ist, müssten Sie sich zu Tode schämen und sich mit inbrünstiger Reue entschuldigen…

Wir haben das doch längst ausgegeben, um auch anderen außer Ihnen eine Chance zu geben. Noch nie was von Reinvestition gehört?

Sie haben also wissentlich fremdes Geld ausgegeben? Und nun wollen Sie entreichert sein? Da sind Sie aber ganz schön bösgläubig

Na und Sie sind schlicht naiv. Wir haben unsere Leute – die biegen das schon hin.

Nennt man das nicht Rechtsbeugung? Auch seit dem 19. Jahrhundert?

Ihr Rechtsverständnis ist doch von gestern. Heute zählen Arbeitsplätze und Gewinnmaximierung, das Recht benutzen wir doch nur, wo es uns dient.

Das merke ich schon, dass Sie es nicht mögen, wenn es Mir dient.

Papperlapapp, wir sind doch Eins! Sie spielen Autor und wir spielen Verleger! Sie sind ein elender Spielverderber!

Sire, ich werde Sie nicht mehr subventionieren und möchte mein Geld der letzten 14 Jahre zurück

Es ist keins da

Ach – keine Rückstellungen gebildet seit 14 Jahren? Ist das nicht kriminell?

Wir versuchen ja, dass keiner davon erfährt – und arbeiten auch daran, dass, wenn einer etwas erfährt, er sich schlecht fühlen soll, das unsolidarische Schwein, wenn er nun Allen ihren Traum kaputt macht…

Soll ich Ihnen von meinem Traum erzählen?

Ihre Seifenblase ist geplatzt, mein Junge, das gibt der Markt nicht her. Wir haben dafür eine einzigartige Landschaft in Deutschland

Ach – ne Blühende?

Wir schummeln dran. Und wenn wir die ganze öffentliche Meinung hinter unserer haben, dann finden Sie auch kein Schlupfloch mehr, Ihre Bücher kostenlos selber zu machen. Vergessen Sie‘s. Kommen Sie lieber zu uns und verlangen vorher noch was für Ihre kostenlosen Sachen, die Sie an andere Kollegen teuer verkaufen. Lassen Sie sich das Lektorat bezahlen, Mann. Sie sind doch einer von uns!!!!

Ich überleg‘s mir. Stimmt ja eigentlich, ich mach‘s kostenlos für andere und lasse es mir von ihnen teuer bezahlen. Das schafft doch auch neue Arbeitsplätze, oder? Und dann bekomme ich endlich auch noch mein geklautes Geld zurück und wir haben alle was davon. Das sind doch lauter Loser, die da draußen immer noch glauben, sie hätten eine Chance.

Sehen Sie! Sag ich doch! Steigen Sie ein und verderben Sie uns nicht die gemeinsamen Geschäfte! Die Welt will betrogen werden, also erfüllen wir dieses Bedürfnis des Marktes. Mann, ich sage Ihnen, 200% zum Jahresumsatz dazu!!!!!!! Und dann noch dort, wo Sie keine Kosten haben, hihi.

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